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Warum wir nie wieder in ein Dorf der Langhalsfrauen gehen

Langhalsfrau in Chiang Mai, Gedanken zum Ethno-Tourismus

Ihr Nackenpanzer glänzt im Mittagslicht, und trotzdem spiegelt sich das Leuchten nicht in den Augen der Frauen, die ihn tragen. Die Angehörigen der Kayan Lahwi sind weltweit als die „Langhalsfrauen“ bekannt und ein Sehnsuchtsziel für viele Reisende. Ihr heutiges Dasein ist eines der schlimmsten Beispiele für rassistischen Ethno-Tourismus, wie wir am eigenen Leib erfahren haben.

Eine Weltreisende geht im Dschungel verloren

Mit uns im Hotel in Chiang Mai wohnt eine Australierin Mitte sechzig, die alle Anzeichen einer gemütlichen Rentnerin trägt. Ihre Ausführungen, dass sie sich hier in Thailand einer größeren zahnmedizinischen Behandlung unterzieht, passen für mich perfekt ins Bild. Sie spricht mich auf meine Reiseerfahrungen und -wünsche an und ich erzähle sehnsuchtsvoll von den „Long Neck Karen“ – den wunderschönen Frauen mit den endlos langen Hälsen, um die sich Reihe an Reihe eine Spirale goldener Messingringe zieht, um diesen Körperteil immer weiter zu strecken. Sowohl Josi als auch ich haben in den neunziger Jahren Fernsehdokumentationen über diese Volksgruppe gesehen, die in uns Fernweh entfacht haben und den Wunsch, diesen Frauen einmal persönlich zu begegnen. Ich wüsste nur noch nicht, so äußere ich meine Sorge, wo wir diese Frauen wohl finden würden.

„Ach ja?“, entgegnet meine Gesprächspartnerin darauf lebhaft, „also ich habe die Long Neck Karen nicht gefunden – die haben mich gefunden!“ Es stellt sich heraus, dass mein Gegenüber in den sechziger Jahren schon einmal in Chiang Mai gewesen und hier Teilnehmerin einer geführten Dschungeltour war, die sich ziemlich schnell als eine Irrwanderung entpuppte, welche erst dann endete, als Jäger der Karen ihre ziemlich derangierte Gruppe im Urwald aufspürten, sie einige Tage in ihrem Dorf aufpäppelten und dann wieder auf den richtigen Pfaden nach Hause schickten.

Ich bin, gelinde gesagt, baff. Diese sehr solide Frau hat eine Erfahrung gemacht, die heutige Backpacker nicht einmal mit viel Geld erleben können, weil die Welt, in der wir leben, keinen Raum mehr lässt für große Waldflächen, in denen Bergvölker unentdeckt von der Zivilisation existieren können. Immerhin bringt mir diese Begegnung neben tiefem Respekt vor der Reiselustigkeit dieser Frau auch die Erkenntnis ein, dass Stämme der Karen, wie diese Gruppen verwandter ethnische Minderheiten genannt werden, auch in der Region zu finden sein müssen, die wir im Norden Thailands bereisen. Alles, was uns also bleibt, ist, an ihrer Erfahrung zu scheitern. Dass sich das Scheitern aber derartig traurig anfühlen wird, damit rechnen wir nicht.

Die Nachfahren des gepanzerten Drachen

Die Frauen mit den goldenen Hälsen stammen der Überlieferung nach von einem Drachen mit gepanzertem Nacken ab, der sich in eine schöne junge Frau verwandelt und mit einem Mischwesen, halb Mann, halb Engel, zwei Kinder bekommen hat – die Ahnen des Kayan Lahwi-Clans. Die Kayan Lahwi glauben an die Beseeltheit aller Dinge und an die Wahrsagekunst, die das Schicksal schon aus einem einzigen Bambussplitter lesen kann. Ihre Heimat liegt in einem zwanzig mal zwanzig Kilometer großen Gebiet in Burma, aus dem viele Stammesmitglieder vor Verfolgung ins benachbarte Thailand flohen. Hier werden sie unter anderem von den Shan als „Padaung“ bezeichnet, in Anspielung auf ihren Schmuck: Yan Pa Daung („mit glänzendem Metall umwickelte Menschen“), und, seit ein unseliger französischer Asienforscher den Begriff geprägt hat, auch als „Giraffenfrauen“. Reiseleiter vermarkten sie als „Long Neck Karen“, also unter der Bezeichnung „Langhalsfrauen“.

In Pai weit im Norden fallen uns schließlich Plakate auf, die drei freundlich lächelnde Karen-Frauen zeigen und das „Long Neck Village“ bewerben, was in unseren begierigen Ohren wie Werbung für ein indigenes Hotel klingt. An einem Vormittag im Dezember lenken wir spontan unseren Roller in die richtige Richtung. Auf sandigen Bergstraßen kommen wir schließlich zu einem Ort am Rande eines Hügels, von dessen Eingang uns wiederum das bekannte Plakat grüßt.

Das Dorf, das wir nun betreten, ist am Rande einer kleinen Furt angesiedelt, über die eine schmale Bambusbrücke führt. Alles wirkt nett und adrett aufgeräumt. Der Eintritt, von dem wir nicht genau wissen, was er uns ermöglichen wird, beträgt 100 Baht pro Person. Im Dorf selbst herrscht mittägliche Ruhe. Einige Hunde dösen in der Sonne, mehrere Männer sitzen im Schatten eines Baumes. Es gibt eine Bar, ein kleines Hostel – und drei kleine Lädchen, vor denen tatsächlich die Menschen Platz nehmen, von denen wir viele Jahre lang geträumt haben – die freundlichen Frauen mit den goldenen Hälsen.

Besuch im Menschenzoo

Die Anlage ist im Grunde nichts anderes als ein Freilichtmuseum, das daran scheitert, den vergangenen Geist dieses Volkes zu konservieren. Anders, als wir dachten, handelt es sich nicht um ein selbstständig von Frauen geführtes Hotel, die eine aufregende Geschichte zu erzählen haben. Wäre uns in diesem Moment bewusst gewesen, auf was wir uns an dieser Stelle einlassen – wir hätten den Roller gedreht und wären heimgefahren. So aber erleben wir eine der seltenen Situationen, in denen uns selbst Lola mit ihrem natürlichen Charme nicht über die Gräben hinweghelfen kann, die Politik und Tourismus geschlagen haben.

Alte, in Sepia getränkte Fotografien zeigen starke Frauen, die sich ihrer kulturellen Identität und Integrität absolut bewusst sind. Der direkte Sprung in die Gegenwart offenbart einen traurigen Vergleich: Von den auratischen Frauen der Vergangenheit ist ein versprengtes Häufchen übriggeblieben, dass sich mit geschickt aufgesetztem Lächeln für die Besucher aus aller Welt in Szene setzt. In diesem Fall sind wir die einzigen Besucher aus aller Welt, was den beklemmenden Eindruck verstärkt, als letzter Gast einer gefloppten Theateraufführung beizuwohnen – in dem Bewusstsein, dass auch die Schauspieler wissen, dass sie etwas zum Besten geben, an dass sie längst nicht mehr glauben.

Unsere Erfahrungen mit den Langhalsfrauen, oder Long-Neck Karen.

Das Gefühl, dass uns bei unserem Besuch überkommt, ist dasselbe, das uns davon abhält, mit unserer Tochter in Zoos zu gehen. Sicherlich, den Tieren in ihren Gehegen geht es augenscheinlich gut, sie sind versorgt und tragen mit ihrem Auftreten dazu bei, sich selbst zu unterhalten – aber frei sind sie nicht. Ihre Gehege sind Käfige, die ihnen zugewiesen wurden und die sie nicht verlassen können, ohne dabei zu verenden.

Vielleicht klingt dieser Vergleich überzeichnet, aber die Kayan Lahwi-Frauen wirken auf uns eher wie Gefangene, die zwischen ihren kleinen Souvenir-Tischchen und ihrem eigentlichen, völlig entwurzeltem Leben hin- und her tigern.

Das namenlose Volk

Die Kayan Lahwi, die aus Burma nach Thailand geflohen sind, werden in Thailand, wie bereits erwähnt, als „Long Neck Karen“ oder „Giraffenhalsfrauen“ in Schaudörfern vermarktet, und spätestens bei dem Wort „Giraffenhalsfrauen“ verschwimmt endgültig die Grenze zwischen objektiviertem Tier und objektiviertem Mensch. Diesen Menschen, die ohnehin Flüchtlinge aus einem Land sind, in dem es Minderheiten gelinde gesagt furchtbar geht, wird auch in Thailand offensichtlich nichts Gutes zuteil. Sie sind der Zentralregierung, die ein berechtigtes Interesse daran hat, ihr Land ethnisch homogen zu gestalten, aufgrund ihrer kulturellen Eigenständigkeit ein Dorn im Auge; ebenso wie viele der Hill Tribes oder Bergvölker, die im Grenzgebiet zwischen China, Burma und Thailand ihre ursprüngliche Heimat haben.

Sie lassen sich in den entlegenen Regionen, in denen sie leben, nur schwerlich kontrollieren und stellen auf diese Art eine, wenn auch eher imaginäre, Bedrohung der politischen Einheit des Landes dar. Außerdem lässt sich mit ihnen trefflich Geld verdienen. Wohin die Einnahmen ihrer Shops und die der Eintrittskarten fließen, ist auffällig unbekannt. Den Menschen, die dieses Geld zwangsweise verdienen, kommt es jedenfalls nicht zugute – sie bekommen einen schmalen Zuschuss zu ihrem Lebensmittelgeld, denn eigenständig arbeiten können sie nicht – als Flüchtlinge erhalten sie keine thailändischen Pässe somit auch keine der mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Sozialleistungen. Damit ist auch ihre Bewegungsfreiheit außerhalb des Dorfes eingeschränkt und sie sind gezwungen, an den Orten zu leben, die ihnen die Regierung zugewiesen hat. Ausreisen dürfen diese geschundenen Menschen nicht, auch wenn ihnen Länder wie Neuseeland politisches Asyl angeboten haben. Es gehe ihnen doch besser als in den Flüchtlingscamps, sagen einige. Sie lassen sich doch eh nur begaffen, sagen andere.

So institutionalisiert sich eine groteske Schaukultur, die nahtlos anschließt an die Völkerschauen in Europa und deren Entwürdigung sich schon in den Namen spiegelt, die wir diesen Menschen zuschreiben.

Bei vielen anderen indigenen Völkern der Welt haben sich inzwischen die Namen durchgesetzt, die diese Gruppen sich selbst gegeben haben, wie beispielsweise die Inuit in Nordamerika oder die Samen in Skandinavien. Die Kayan Lahwi werden von aller Welt immer noch als Langhalsfrauen bezeichnet, was sie auf eine kulturelle Praxis einschränkt, die gar nicht mehr wirklich existiert, und ein Gedankengut stützt, das idealerweise seit der Kolonialzeit ausgestorben sein sollte.

Wir haben uns wie Voyeure gefühlt

Uns ist klar, dass wir diese gebrochenen und doch so freundlichen Frauen nicht fotografieren können, und dass alle, die diese Menschen besuchen, ihnen mit demselben Respekt begegnen sollten, mit dem sie selbst behandelt werden möchten. Für viele Reiseveranstalter (und skurril genug, auch für die Kayan Lahwi selbst) scheint es eine Selbstverständlichkeit zu sein, die Frauen in ihren bunten Trachten auf ein schräges, „authentisches“ Foto zu ziehen. Als wir uns nach kurzer Zeit anschicken, gedrückter Stimmung das Dorf zu verlassen, lässt sich einer der Männer nicht davon abbringen, uns beim Fotografieren der Umgebung zu helfen, und ein älterer Einwohner rennt uns sogar noch mit einer Flasche Wasser für unsere Tochter hinterher – eine verzweifelte Geste, doch etwas bieten zu können in einer Lebenswelt, die einem ehemals so stolzen Volk nichts mehr gelassen hat als die eigene, klischierte Version der eigenen Traditionen.

Wir fühlen uns bei diesem Besuch das erste Mal wie Voyeure – und das ist kein gutes Gefühl. Voyeurismus verbindet sich mit bleiernem Schuldgefühl und wir sind froh, als wir das Schaudorf mit seinen darin gefangenen Bewohnern wieder verlassen können.

 

Unser Besuch im Schaudorf der Langhalsfrauen in Thailand

Gefühlloser Ethno-Tourismus

Wir machen uns viel zu selten bewusst, wie privilegiert wir weißen, mittelalten Weltreisenden aus westlichen Ländern sind. Werden wir doch einmal darauf aufmerksam, ziehen wir selten Konsequenzen, oft nicht einmal sprachlicher Natur. Dabei ist es einfach, die „Langhalsfrauen“ als „Kayan Lahwi“ zu bezeichnen. Wir wollen uns doch auch nicht als „Langnasen-Blassgeister“ beschimpfen lassen. Kultureller Austausch beginnt da, wo wir bereit sind, unsere Rolle als Beobachter zu verlassen und ein Stück weit in das einzutauchen, was dort so wild und gefährlich vor uns liegt als fremdes Land. Wenn wir von einem Podest auf alle anderen, die nicht im Umkreis unserer Postleitzahl geboren sind, herabblicken, werden wir nie wirklich erfahren, was es heißt, auf Weltreise zu sein und andere Völker zu entdecken.

Wir sind dankbar für diese Erfahrung auf unserer Reise, denn sie hat uns achtsamer werden lassen im Umgang mit unterdrückten Kulturen, die bis auf Abziehbilder bereits völlig verschwunden sind. Die Kayan Lahwi, die einstmals stolzen Nachfahren des gepanzerten Drachen, verdienen es, dass wir ihnen Aufmerksamkeit und Hilfe zukommen lassen, anstatt sie gefühllos zu begaffen.

Mehr zur Bedeutung des Halsschmucks als Familienschrein und Geldtresor der ganzen Familie schreibt Pascal Khoo Thwe in seinen Memoiren „From the Land of Green Ghosts – A Burmese Odyssee“.

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Auch andere Reiseblogger haben sich mit der touristischen Kommerzialisierung und Vermarktung der Kayan Lahwi auseinandergesetzt und persönliche Lösungen für den Umgang mit den Problemen gefunden, die der Ethnotourismus auslöst:

Long Neck Karen Tribe

Visit the Long Neck Karen Hilltop Tribe in Thailand

Ethical Travel: Should You Visit Thailand’s Long Neck Women Villages?

Karen Long Neck Hill Tribe Village: A Controversial Tourist Attraction Or Not?

 

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10 Comments

  • Reply
    Victoria
    April 26, 2017 at 7:26 am

    Oh man, ich kann das absolut nachvollziehen. Wir haben das Dorf einmal im vorbeifahren gesehen und auch von Bekannten gehört, dass es absolut nicht empfehlenswert ist. Wie schade, dass Minderheiten am Ende immer in einer Art von Käfig enden und ihre Kultur nicht einfach bewahren können. Wobei ich hier auch etwas Gespalten bin, da diese Ringe ja nie wieder abgenommen werden können und das bequeme Schlafen nur bedingt ermöglichen. Wieder sind es nur die Frauen die sich solchen Traditionen unterwerfen müssen/dürfen. Ein schwieriges Thema durch und durch ist mein Fazit dazu.
    Liebe Grüße
    Victoria

  • Reply
    Ina Degenaar
    April 24, 2017 at 1:58 pm

    Mein Sohn war vor wenigen Wochen in Thailand und hatte die Zurschaustellung der Langhalsfrauen genauso beschrieben und empfunden wie ihr. Auch er war von einer anderen Vorstellung ausgegangen. Ähnlich war es wohl auch bei einem Trip zu einem schwimmenden Markt: Von der Nähe zu Einheimischen oder einer Authentizität konnte keine Rede sein. Der Markt wurde augenscheinlich nur für die Touristen veranstaltet.
    LG, Ina

  • Reply
    Jenny
    April 23, 2017 at 7:28 pm

    Zuerst mal: Ich finde es klasse, dass man in eurem Blog endlich mal was anderes als „die 10 schönsten Strände Thailands“ etc. liest!
    Die politischen Hintergründe sind wirklich interessant. In Südostasien scheint das allerdings nicht unbedingt ungewöhnlich, dass man „pragmatisch“ an Sachen herangeht und dass sich Menschen in ihr Schicksal fügen und dann eben selbst vermarkten, um über die Runden zu kommen. Ich lese aus eurem Bericht extrem viel Scham – aber habt ihr die Frauen auch mal gefragt, was sie sich wünschen? Wie sie zu ihrer Tradition stehen? Ob sie sich „begafft“ fühlen und lieber keine langen Hälse hätten?
    Wenn keine Touristen mehr kommen, macht ja auch keiner mehr auf die missliche Lage dieser Flüchtlinge aufmerksam, und auch wenn der Zuschuss zu den Lebensmittelkosten gering sein mag, ist er doch vielleicht trotzdem willkommen?
    Reines Theater kann das Tragen der Halsringe doch gar nicht sein – immerhin müssen die Frauen schon in der Kindheit damit anfangen, das ist schon was anderes als Bastrock-tragen und tanzen.
    Oder habe ich euch ganz falsch verstanden?

    Nachdenkliche Grüße
    Jenny

    • Reply
      Josi
      April 24, 2017 at 6:55 am

      Das Tragen der Ringe ist wohl kein Theater, aber die Art, wie diese Frauen leben und – aus welchen Gründen auch immer – gezwungen sind, sich selbst zur Schau zu stellen eben schon. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Frauen der Tradition weiterhin verbunden sind, es ist aber auch möglich, dass das Ringetragen weiterhin als Einnahmequelle kultiviert wird, ich weiß es nicht.
      Du hast recht, das ist einer dieser Fälle, wo die Medaille mindestens 500 Seiten hat. Keine Touristen würden für die Frauen bedeuten, dass sie womöglich völlig ausgeschlossen sind und keine Verdienstmöglichkeit haben. Aber das ist im Grunde eine ähnliche Debatte wie die um die Kinderarbeit. Soll man das System, dass diese Menschen eher schlecht als recht trägt aufrecht erhalten, damit man nicht Gefahr läuft, ihnen kurzfristig zu schaden? Oder boykottiert man konsequent diese DInge und hofft, so ein Zeichen zu setzen, damit sich langfristig etwas ändert?
      Ich finde diese Fragen unheimlich schwer zu beantworten. Jedes Mal aufs Neue.

  • Reply
    Marion Rotter
    April 23, 2017 at 5:09 pm

    Die Frauen mit den langen Hälsen habe ich noch in Burma gesehen. Ich weiss nicht, wann diese Gruppe gflüchtet ist, aber Ende der 90er waren wir in Burma und auch an der Grenze zu Thailand unterwegs. Dort lag ein Dorf, in denen die Frauen diesen Halsschmuck trugen. Ich suche verzweifelt nach dem Namen des Ortes. Vielleicht finde ich mein Reisetagebuch von damals wieder, dann schicke ich dir das. Gerade jetzt bin ich richtig betrübt über den Inhalt dieses Berichts. Vielleicht war auch ich eine der letzten, die sie einfach noch ganz „normal“ angetroffen haben. Und darüber bin ich jetzt wieder sehr froh und weiss erst jetzt, was das für ein schöner Schatz in den Erinnerungen ist. Schöner Bericht. Ich schau gerne mal wieder vorbei. Marion

  • Reply
    reisendernerd
    April 23, 2017 at 4:43 pm

    In Deutschland gab es das auch noch bis in die Neunzigerjahre. Erinner mich da auch noch als Kind dran. Damals wurden kleine Menschen „ausgestellt“. Musste da bei eurem Artikel dran denken. Vielleicht ist das Interview mit einer kleinwüchsigen aus dem Holiday Park bei Haßloch interessant, den gab es 2013 in der SZ: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/40121/1/1

  • Reply
    Reini
    April 23, 2017 at 1:46 pm

    Ich kann euch nur zu gut verstehen. Wir hatten diese Vorstellung von so einem Besuch und haben uns in Myanmar daher gegen den Besuch eines solchen Dorfes entschieden. Am Inle Lake gab es dann zwei Frauen in einem Souveniershop als Fotomotiv. Aus diesem Grund haben wir den Ort gleich wieder verlassen. Die Frauen wirkten wir angekettete Tiere auf uns. Wir fanden es extrem traurig und verstörend.

    LG aus Wien

  • Reply
    Katrin
    April 23, 2017 at 1:37 pm

    Sehr guter Beitrag und vor allem sehr gut geschrieben. Das beklemmende Gefühl, das einen übermannt, wenn man realisiert, dass man in eine Sache hineingeraten ist, die man aus dem Grunde seines Herzens und seiner Überzeugung nicht vertreten kann, ist kein Schönes.

  • Reply
    Anna
    April 23, 2017 at 12:54 pm

    Ein wirklich interessanter Beitrag! 🙂 Wobei ich mich beim Lesen immer gefragt habe, was ihr denn erwartet hattet, als ihr noch davon geträumt habt, die Kayan Lahwi zu „besuchen“.. Das ist doch letztendlich auch nichts anderes als „mal einen Koala aus nächster Nähe“ sehen zu wollen, oder?

    • Reply
      Josi
      April 24, 2017 at 7:00 am

      Ganz richtig, wir waren absolut blauäugig. Wir hatten uns ganz bewusst gegen eine Tour entschieden und dachten dann aber, dass man in diesem kleinen Dorf bei Pai einfach selbstständig lebende Frauen trifft. Wir haben gedacht, dass sie eben ihr exotisches Aussehen nutzen, um mit Touristen in Kontakt zu treten und dann wie so viele andere am Tourismus zu verdienen.
      Ja, wir waren naiv. Dabei halten wir uns immer für so kritisch und aufgeklärt. Man hat eben vielmehr tote Winkel in seinem ach so offenen Weltbild, als man eigentlich denkt. Gerade deshalb war es uns so wichtig, diesen Artikel zu schreiben.

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