0 In Glück/ Taiwan

Leben für Erlebnisse

Nachdem wir einiges auf der Insel besichtigt haben, kommt es uns so vor, als würden Taiwanesen und Deutsche Sehenswürdigkeiten auf unterschiedliche Art und Weise besuchen. Die Asiaten machen zahlreiche Fotos vom Ort – und sind schnell wieder weg; lange Anreise hin oder her. Die westlichen Besucher reisen vor allem für Erlebnisse; wenn sie ihren Fotoapparat vergessen haben, dann ist das eben so.

Leben für Erlebnisse – das muss vielen Taiwanesen absurd vorkommen. Sie leben für die Zukunft, das abstrakte, ferne Gut. Ein Lebensziel wie ein guter Job rechtfertigt jahrelange harte Arbeit und eine langwierige Schulbildung; darauf hinzuplanen gibt ihnen schon im Hier und Jetzt Erfüllung und Sinn. Wie das Hier und Jetzt dabei konkret ausgestaltet wird, ist weniger wichtig.

Wie wir leben wollen, lässt durch die Brille einer anderen Gesellschaft viel leichter sehen. So wird für uns in unserer ersten Woche in Taiwan deutlich, wie sehr wir uns nach einem aktiven Dasein voller Erlebnisse sehnen – wir wollen selbst gestalten, wie wir sind und wie die Welt um uns herum ist. Diese Gedanken zu formulieren, fällt in Taiwan leichter; sie sind überraschenderweise viel naheliegender als in Deutschland. Nicht Teil eines Ganzen zu sein, sondern nur Beobachter, sagt uns viel über unser Freiheitsbedürfnis.

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