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Über unerzogene Kinder

Beziehung vor Erziehung macht das Leben mit Kind leichter

Wir versuchen in unserem Zusammenleben mit unserer Tochter Lola völlig ohne Erziehung auszukommen.

Das bedeutet nicht, dass wir passiv daneben sitzen, wenn sie tut, wozu sie gerade Lust hat, ohne das zu kommentieren. Es bedeutet auch nicht, dass wir uns von unserer Tochter terrorisieren lassen.

Unerzogen im Alltag

Wir erziehen also nicht. Konkret bedeutet das, dass wir versuchen, uns über die Macht, die wir natürlich unserem Kind gegenüber haben, Gedanken zu machen. Dass wir die Dinge, die wir tun und wollen, regelmäßig hinterfragen. Es bedeutet, dass unsere Tochter viele Sachen tut, die „man halt nicht macht“, weil es weder Olaf und noch mich im Alltag stört. Dazu gehört zum Beispiel, dass sie selten Schuhe trägt, lieber snackt, statt die Hauptmahlzeiten mitzuessen, selbstbestimmt ins Bett geht und nur Bitte und Danke sagt, wenn sie es wirklich meint. Für uns als Familieneinheit funktioniert das unerzogene Leben wunderbar. Ich freue mich über jedes ernst gemeinte Danke (und bekomme es immer öfter zu hören), genieße Abende ohne Streit über die Zubettgehzeit und freue mich, wenn meine Tochter mir beim Essen Gesellschaft leistet, obwohl sie selbst nicht hungrig ist.

Hinterfragte Regeln

Schwierig wird es für mich, wenn wir aus unserer kleinen Bubble heraustreten und plötzlich mit Menschen zu tun haben, die ganz andere Erwartungen an ein Kind haben. Es fühlt sich nicht toll an, abschätzige Blicke zu ernten, wenn meine Tochter barfuß über den Asphalt rennt. Die anderen können nicht wissen, dass Lola fast alle Schuhe unbequem findet und wir die Absprache haben, dass sie ihre Sandalen zu meiner Beruhigung trägt, wenn die Wege wirklich dreckig sind (Indien!), oder gar Glassplitter herumliegen. Sie können nicht wissen, dass es sich nicht um Achtlosigkeit handelt, sondern um hinterfragte Standardregeln.

Schuhe, die für uns funktionieren, sind übrigens die Wildlinge. Wir haben PR Samples erhalten, um die Schuhe zu testen.

 

Hart durchgreifen

Krasser wird es, wenn Lola im Restaurant wütend wird. Mit ihren drei Jahren passiert es ihr immer mal wieder, dass sie von ihren Gefühlen übermannt und sehr, sehr laut wird. Diese Ausbrüche sind für Kleinkinder ganz normal* und dauern nur ein paar Minuten. Für uns Eltern sind sie aber sehr peinlich. Viele würden in so einer Situation hart durchgreifen, sich so ein Verhalten nicht gefallen lassen. Schließlich schauen alle pikiert und man möchte diesen sozialen Druck so schnell wie möglich abschütteln.

Notfallschaukeln statt meckern

Ich habe in diesen Situationen auch oft den Impuls, ganz entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise irgendwie effektiv und fix das unerwünschte Verhalten zu unterbinden.

Aha, da ist es wieder. Das, was ich wirklich nicht will. Ich möchte mein Kind nicht für andere zurechtbiegen und passend machen. Sie soll nicht das Gefühl bekommen, dass sie nicht sie selbst sein darf. Trotzdem muss ich ihr verständlich machen, wie unangenehm mir diese Situationen sind.

 

In die Beziehung investieren

Ich ernte erstaunte Blicke, wenn ich auf Brüllen und Kratzen mit einer festen Umarmung reagiere. Statt eine Schimpftirade loszulassen, gehe ich lieber mit meiner Tochter lieber schnell eine Runde Notfallschaukeln. Wenn wir zwei uns ein wenig beruhigt haben, spreche ich mit ihr über die Situation. Oft ist sie ganz betroffen und hört mir zu. Meist erzählt sie mir dann, was sie so wütend gemacht hat. Einen guten Grund gibt es immer, auch wenn es einfach ein Missverständnis zwischen uns gab. Hätte ich in der Situation dem sozialen Druck nachgegeben und mit Konsequenzen gedroht, hätte ich ihre Gründe nie erfahren und nicht die Chance bekommen, gemeinsam mit ihr Strategien für die Zukunft zu basteln.

Ich muss mir immer wieder sagen, dass mein Kind und unsere Beziehung wichtiger sind als das unangenehme Gefühl der wertenden Blicke von Menschen, die ich wahrscheinlich nie wieder sehe. Sozialer Druck kann viel mit uns machen – unsere eigenen Werte dürfen wir trotzdem leben.

Wie ein Leben ohne Erziehung genau aussehen kann, könnt ihr auf dem wundervollen Blog von Ruth hier nachlesen.

 

Habt ihr Tipps, wie man mit dem sozialen Druck umgehen kann? Wie schafft ihr es, eurer Lebensmodell zu leben und zu vertreten? Schreibt es uns in die Kommentare!

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