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Unser Wochenende in Bildern – von Jaipur nach Pushkar

An diesem Wochenende stolpern wir von einer Farbexplosion zur nächsten: Bunte Saris auf dem Bahnhof in Jaipur, wilde Feuerwerke über den Hängen von Pushkar und der blaue Himmel über den rosa Mauern der „Pink City“. Rajasthan ist ein Meer an schillernden Tönen.

Wie in Vietnam werden auch in Indien die Güter des täglichen Bedarfs – von Blumen bis zur Badewanne – auf teils sehr historisch anmutenden Gefährten durch die Stadt transportiert. Auf diesem Blumenkarren in Jaipur wäre Lola am Samstagmorgen am liebsten selbst mitgefahren.

In derselben Straße wie das Blumenmobil befindet sich auch der Obsthändler unseres Vertrauens, mit dessen Gurken wir den hiesigen „Salat“ aufgepeppt haben. Gurkensalat besteht in Indien aus einer halben, dünn geschnittenen Gurke, die mit etwas Limette auf einem Teller ausgelegt wird. Wir hatten auch durchaus schon Salat, der nur aus rohen, aufgeschnitten Zwiebeln bestand. Wie wir das als dreiköpfige Familie in einem Zimmer überleben sollen, ist uns schleierhaft. Auch was die Inder an Snacks finden, die zu circa 45 Prozent aus Zwiebeln bestehen, bleibt nach etwas mehr als einer Woche Indien ein Rätsel.

In unserem letzten Blogartikel haben wir unsere teils etwas irritierenden Erfahrungen mit der indischen Männerwelt geschildert. Die gute Nachricht ist: Je weiter wir uns aus Städten voller Tagestouristen wie Agra entfernen, umso freundlicher werden die Menschen. Ein klares Indiz: Lola wird wieder wie in Thailand Obst an den Ständen angeboten.

Unser Weg ins historische Zentrum der „Pink City“ Jaipur führt uns zuerst ins Jantar Mantar. Würden wir Lola fragen, was dieser Ort ist, würde sie sagen: Das Jantar Mantar ist ein riesengroßer Spielplatz mit zahlreichen Treppen und wunderbarem Buddeldreck – aber im Dreck durfte ich nicht spielen, und die Treppen waren aus unerfindlichen Gründen verboten.

Wir Erwachsenen dagegen erfreuen einfach uns an diesem ruhigen Garten, der eigentlich ein mehrere Jahrhunderte altes Observatorium ist, gespickt mit zahllosen Sonnenuhren und, natürlich, Weltkulturerbe.

Ich wäre gerne beim Bau der größten Sonnenuhr der Welt dabei gewesen, die Zeit auf zwei Sekunden genau bestimmt. Leider ist selbst das Sitzen auf den umliegenden Mauern nicht gestattet, sodass an einigen Stellen eine etwas angespannte Atmosphäre entsteht, wenn das Sicherheitspersonal seine geliebten Trillerpfeifen hervorholt.

Nach unserer Tour durch die astronomischen Gärten machen wir uns auf den Weg zum Hawa Mahal, dem „Palast der Winde“. Unser Rikschafahrer weist uns den Weg durch verwunschene Innenhöfe, die wie das Setting von „The Best Exotic Marigold Hotel“ aussehen, der zu großen Teilen tatsächlich in Jaipur gedreht wurde. In Deutschland würden hier nur Luxushotels stehen, hier hingegen sprießen nur grüne Pflanzen.

Es ist vielleicht ein Klischee, aber das Licht in Indien ist besonders – pastellfarben und zart. Die Natur malt wunderschöne Bilder auf die Hauswände, und durch den richtigen Winkel gelingt es uns geschickt, die fast völlig verweste Katze auf der anderen Seite des Bildes abzuschneiden.

Überhaupt: Die Tiere, die hier leben, bewegen sich scheinbar völlig autonom durch den Alltag. Ganze Hausschweinrudel durchstöbern die leider sehr schmutzigen Straßen neben den wahrscheinlich bestangezogensten Ziegen der Welt. Besonders beeindruckend sind allerdings die Kühe: Sie sind heilig und werden nicht gegessen. Selbst der indische Verkehr, der sonst für nichts und niemanden stoppt, hält für diese majestätischen Wesen. Wer den Bullen in die Augen blickt, sieht: Sie wissen, dass sie hier die Hosen anhaben. Wie sich der Alltag um die heiligen Tiere organisiert, hat Sarah Macdonald in ihrem sehr lesenswerten Buch „Holy Cow!“ beschrieben, und ihren Anfangsschock haben wir tatsächlich eins zu eins durchlebt.

Holy Cow! An Indian Adventure

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Preisupdate am Juli 4, 2017 12:06 pm

Der Palast der Winde wurde ursprünglich von einem Maharadscha erbaut, damit sich die Damen des Hofes die Waren der Händler auf den Straßen anschauen konnten, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Für Lola waren die vielen kleinen Fenster eher so etwas wie ein gigantischer Adventskalender.

Wir haben eine derartige Architektur, die eher an einen Bienenstock mit Waben als an ein Haus erinnert, noch niemals zuvor gesehen.

Im Inneren des Palastes ist genug Platz zum Toben…

…es blitzt und blinkt überall…

…und die Temperaturen sind auch für Kinder angenehm, weil das Hawa Mahal dank seiner vielen Fenster von einem sanften Windstrom durchzogen wird. Ein absolutes Muss mit einer traumhaften Sicht über die Stadt.

Durch zahlreiche friedvolle Innenhöfe gelangen wir schließlich auf die Einkaufsstraße, von der aus wir die Front des Palastes sehen können. Ein guter Ort für Fotos sind die Dachcafés auf der anderen Straßenseite, wo wir auch noch von einer Gruppe Affen mit ihrem Mittagessen (ein Chapati und eine Dose Cola) besucht wurden. Nach diesen zwei Attraktionen waren wir alle schon rechtschaffend erschöpft.

Dennoch haben wir abends unsere Koffer gepackt und sind am Sonntag mit dem Zug nach Ajmer aufgebrochen.

Durch die fest zugewiesenen Sitzplätze ist eine normale indische Zugfahrt in der kühlen Jahreszeit wesentlich entspannter als, sagen wir mal, die Regionalstrecke Hannover-Sarstedt. Außerdem kommen immer wieder Händler mit Popcorn und riesigen Taschen voller Erdnüsse vorbei. In Ajmer wurde beim Aussteigen zwar etwas gedrängelt, aber das wars auch schon. Bislang ist der Zug unser bevorzugtes Reisegefährt in Indien.

In Ajmer fahren wir mit dem Bus weiter nach Pushkar. Dort lassen wir unsere Rucksäcke auf einem Wagen durch die Stadt schieben und nutzen den schönen Abend für einen kleinen Spaziergang durch die engen Gassen.

Pushkar ist voller Farbe – einerseits durch viele Graffiti an den Mauern…

…andererseits durch die zahlreichen Stände, die Farbpigmente verkaufen.

Unser Wochenende klingt aus mit einem der magischsten Sonnenuntergänge, die wir bisher auf unserer Reise erlebt haben. Wir gehen ins Bett und lassen uns von den vielen Hochzeiten, die durch das trockene Wüstental hallen, langsam in den Schlaf wiegen.


Bilder von vielen andren Familien und ihren Wochenenden gibt es wie immer bei Geborgen Wachsen.

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2 Comments

  • Reply
    Christina
    Februar 11, 2017 at 2:15 am

    Ich liebe Euren Artikel, Ihr teilt Eure Eindrücke so mitreißend und eindrucksvoll, dass ich am Liebsten gleich mit eintauchen würde. ☺

    • Reply
      Olaf
      Februar 11, 2017 at 6:52 pm

      Liebe Christina,
      vielen Dank für Deinen motivierenden Kommentar! Das macht Lust, gleich die nächsten Bilder zu sortieren und hochzuladen! 🙂

      Lieben Gruß von uns dreien!

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