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Werde glücklich: Guerilla gegen schlechte Laune

Papa mit Tochter am Nil in Kairo, Ägypten

Ich führe einen Guerillakrieg gegen die schlechte Laune. Ich tauche auf, sage etwas Nettes und tauche wieder ab.

Mein Toolkit zum glücklichen Leben

Ich überlege mir dabei immer sehr genau, ob die Person mir gegenüber ein Lob aushalten kann. Denn die meisten Menschen sind auf positives Feedback nicht vorbereitet. Wenn ich zu einem Menschen gehe und ihm ein Kompliment für seine Tasche oder ein Tattoo mache, trifft meist Ungläubigkeit auf Angst. Die Person schaut mich schief an, zieht die Schultern nach oben und versucht zu verstehen, dass sie gerade gelobt und nicht geschlagen worden ist.

Komplimente machen für Anfänger

Backpackbaby unterwegs in Ägypten

Warum? Weil wir es nicht gewöhnt sind, dass sich uns jemand nähert, der nichts von uns will. Weil unsere Schutzschilde immer nach oben gefahren sind, aus der Angst heraus, jemand könnte uns mit „konstruktiver Kritik“ begegnen. Jeder gibt sein Bestes, um ein kritischer Experte zu sein. Hauptsache, negativ. Anerkennung auszudrücken ist schwer. Wir müssen es lernen wie alles andere auch.

Wenn ich das Leben in Deutschland in einem Bild beschreiben sollte, wäre es das: Jeder hat seinen Mantelkragen hochgeschlagen und versteckt sich darin, um bloß nicht gesehen zu werden. Früher habe ich deshalb gedacht: Nicht gemeckert ist genug gelobt. Nur nicht auffallen. Das ist eine ziemlich mutlose Sicht auf die Welt, aber viel Energie war auch bei mir nicht mehr übrig.

Ärger aushalten

Das ist mittlerweile glücklicherweise anders. Ich habe einige Sachen gelernt. Zum Beispiel: Der Ärger kommt immer aus der Ecke, aus der ich ihn nicht erwarte. Wenn wir beschreiben, dass wir als vegan lebende Familie auch mit Nichtveganern befreundet sind, kommt der übelriechende Meckerschwall von den Veganern, für die Fleischesser gleichbedeutend sind mit Pädophilen und Nazis. Wenn wir uns sorgen, ob wir mit unserer saloppen Art unerzogene Familien blamieren, rasten Menschen aus, die sich mit Erziehungsthemen seit den 50ern nicht mehr befasst haben. Ärger gibt es leider meistens, aber wir haben bewusst als Familie den Schritt in die Öffentlichkeit getan, weil Kinder und Familien, die anders leben, sichtbar werden sollen.

Darf man Bilder von seinem Kind in der Öffentlichkeit posten?

Anecken und trotzdem weiter machen

Ich habe dabei den Vorteil, dass sich mein innerer Glückskompass immer wieder einnordet, wie stark auch das Shitstorm-Magnetfeld um mich herum sein mag. Außerdem bin ich in der glücklichen Situation, dass ich nicht um mein Leben fürchten muss, nur weil ich für mich selbst andere Dinge gut finde als viele Menschen in Deutschland. Ich möchte aber, dass diese Menschen nicht vergessen, dass es da draußen auch welche gibt, die es anders machen. Deshalb wollen wir mit unserer Tochter in Zukunft alternative Wege als glückliche Familie finden – im vollen Bewusstsein, dass wir damit anecken werden.

Kinder, denen man etwas zutraut, sind glücklich

Für glückliche Vorbilder abseits der Mittelmäßigkeit

Sich so zwischen Schwarz und Weiß aufzuhalten, wird mehr und mehr zum Verbrechen. Sofern wir geistig nur den Mainstream zulassen, werden wir aber auch nur Mittelmaß erleben. Uns fehlen Vorbilder, die uns im Lächeln unterrichten. Menschen, die vermeintlich Herausragendes für unser Miteinander geleistet haben, kommen vielleicht in den Jahresrückblick als Glücksexperten im Fernsehen, aber das wars dann auch. Deutschland ist wie ein Patient mit einer Phobie, der sich in einen Angstzustand hineingesteigert hat und jetzt nicht mehr herauskommt, obwohl eigentlich nichts da ist, dass seine Angst weiter schüren könnte. Es braucht Alltagshelden, die uns einen Schubs in die positive Richtung geben. Unsere derzeitigen Heros sind stahlharte Manager, kraftstrotzende Athleten und Menschen die uns sagen, wir müssten uns mehr anstrengen, um Dinge zu erreichen. Stimmt aber nicht. Wir müssen uns nur entspannen und uns trauen, ein bisschen Freude und Glück in unsere Leben zu lassen.

Aufbruch, Reisen mit Kind

Was für eine schöne Sendung wäre es beispielsweise, wenn sich Menschen einfach nur mal neunzig Minuten gegenseitig Komplimente machen würden. „Ich schätze deine klaren Gedanken.“ – „Ich mag, wie sich deine Lachfalten bewegen.“

Wir lieben sie, diese virtuelle Gewalt

Emotionen werden bei uns unter Verschluss gehalten, es sei denn, es handelt sich um negative Gefühle. Gewalt und Hass sind keine Kategorien, nach denen in sozialen Medien Menschen gesperrt werden. Lange wurden sie überhaupt nicht wahrgenommen, außer durch ihre Opfer. Während jede Andeutung von Sexualität grundsätzlich gemieden wird, ist harte Gewalt leicht online zugänglich – obwohl wir in Deutschland grundsätzlich wenig Waffen in Privatbesitz haben, scheint uns die virtuelle Gewalt zu gefallen.

Ich meine damit nicht nur verstörende Parodien auf Kindervideos, wo Minnie Maus auf einmal stranguliert wird und blau anläuft, sondern auch die ganz alltägliche verbale Gewalt, die in den Kommentaren darunter herrscht.

Leider sind die Leute dabei noch nicht mal anonym. Ich frage mich, ob sie vergessen, dass ihr virtueller Mantelkragen nicht hochgeschlagen ist, oder ob es ihnen einfach egal ist. Welchen Mehrwert es haben soll, negative Gedanken statt Glück in die Welt zu setzen, ist mir dabei unbegreiflich.

Aufbaukurs zum Glücklich sein

Vertrauen lohnt sich, ein positiver Fokus macht glücklich

Glücklich sein und anderen helfen ist eine bewusste Entscheidung, die wir trainieren können wieeinen Muskel. Es geht nicht von heute auf morgen, und wir sollten auch keine Wunder von uns selbst erwarten. Aber langfristig stellt sich dieses Gefühl von Zufriedenheit ein, dass wir als Kinder alle hatten und dass uns auf dem Weg in die Erwachsenenwelt langsam verloren gegangen ist.

Trick 17: Wertschätzung als Ventil

Wenn wir freundlicher werden sollen, müssen wir zuerst den Druck von unseren Schultern nehmen. Den Druck, immer zu funktionieren. Wenn wir uns ein Ventil suchen, warum dann nicht Wertschätzung? Es macht keinen Spaß, jemanden zu beleidigen, der freundlich nickt und dir dann ein Kompliment für deine Frisur macht. Wenn Leistung die Lebensmaxime ist, der alle folgen, warum dann nicht das maximale glücklich sein? Wir sind zwar nicht alle Underground-Kämpfer dafür, aber wir könnten es werden. Dafür müssen wir nur die Routinen des Immer-Weiter-So ein wenig stören. Die meisten Menschen sind furchtbar leicht aus der Balance zu bringen. Macht ihnen einfach nur ein Kompliment.

Wie du glücklich leben kannst

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Gehörst du auch zum geheimen Club der Guerilla-Glücksboten oder findest du das Ganze einfach albern? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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14 Comments

  • Reply
    Reyfakt- Blog des Lebens
    Januar 6, 2018 at 12:18 am

    Meinen höchsten Respekt an dich, durch deinen beitrag werden wohl viele daran denken. Beim nächsten Kritikaufeinandertreffen (Richtig geschrieben ? xD) das Positive zu sehen anstatt ständig das Negative ! Super gemacht ! Gefällt mir sehr 🙂

    Viele liebe Grüße
    Reyfakt vom Blog des Lebens
    https://reyfakt-blog.jimdo.com/

  • Reply
    Kathrin
    Januar 4, 2018 at 5:46 pm

    Toller Artikel! Ich bin auf jeden Fall dabei beim geheimen Club der Guerilla-Glücksboten 🙂

  • Reply
    Claudia
    Januar 3, 2018 at 6:15 pm

    Hallo Olaf,
    ein sehr schöner Artikel, der mich gerade erwischt hat, als ich mich wieder mal über irgendwas geärgert habe. Jetzt geht’s mir wieder besser. Ich würde gern auch dem Club der Guerilla-Glücksboten beitreten 😉 Wo soll ich unterschreiben?!
    Viele Grüße
    Claudia

  • Reply
    Zypresse
    Januar 1, 2018 at 3:25 pm

    Wir loben zu wenig… und wenn wir gelobt werden, dann zweifeln wir es doch gleich wieder an. So wahr, so richtig beobachtet – vielleicht hilft die Guerilla-Bewegung, dass sich da was ändert?
    Ich wünsche es Euch und uns – und ein tolles 2018 ebenso!

  • Reply
    Tanja
    Januar 1, 2018 at 2:13 pm

    Was für eine schöne Idee. Ich bin damit auch schon mal gestartet…. also den Menschen ernstgemeinte Komplimente zu machen. Aber dann in der Hektik des Alltags geht, ab und zu, der gute Vorsatz wieder unter. Leider… vielen Dank für diesen Artikel, der mich pünktlich zum neuen Jahr wieder an einen solchen Vorsatz erinnert. Mit guten Vorsätzen ist das ja immer so eine Sache und eigentlich halte ich davon nicht wirklich was… (also nicht, ich will mehr Sport machen oder 5kg abnehmen oder was Ähnliches) aber über gute Vorsätze wie z. B. selber mehr glücklich sein und andere glücklich machen, kann man doch mal nachdenken oder noch besser gleich starten! 🙂 Denn wenn jeder von uns, jeden Tag, einen Menschen zum Lächeln bringen würde, so wäre die Welt doch sicherlich ein klein wenig glücklicher. 🙂
    Liebe Grüße
    Tanja

  • Reply
    Gabriela
    Januar 1, 2018 at 12:59 pm

    Da sprichst du mir in weiten Teilen aus der Seele! Ich teile gern ernst gemeinte Komplimente aus und wundere mich, dass es dem Empfänger peinlich ist. Wieso? Dürfen wir uns nicht freuen, wenn uns jemand lobt? Ich würde sagen, das ist ein typisch deutsches Problem, das man schnell ablegen sollte, wenn man sich viel im Ausland aufhält. Fazit: weiter machen! (Übrigens, ich freue mich immer sehr über freundliche Worte oder ein Kompliment 😉 )
    Liebe Grüße
    Gabriela

  • Reply
    Miriam
    Januar 1, 2018 at 12:10 pm

    Sehr schöner Artikel, kann ich nur unterschreiben, jedes Wort!
    Lg Miriam

  • Reply
    Ines
    Januar 1, 2018 at 11:23 am

    Ein toller Bericht und ein sehr spannendes Thema. Meiner Meinung nach soll jeder so leben, wie er oder sie will – solange es keinen anderen einschränkt und man selbst damit glücklich ist. Leider sehen die meisten immer das, was sie an anderen kritisieren wollen und denken nicht darüber nach, ob sie nicht vielleicht lieber nach den positiven Dingen ausschau halten sollten… Einfach weiter machen!
    Liebe Grüße
    Ines

  • Reply
    Andreas
    Dezember 31, 2017 at 5:10 pm

    Zu dem Artikel fällt mir eigtl.nur ein Wort ein: Amen! Ihr sprecht vieles aus was in der ich-bezogenen Neidgesellschaft die sich „Deutschland“ nennt leider „normal“ ist inzwischen. In anderen Ländern ist es zum Glück (noch) nicht so und wenn ich könnte ich ich wollte würde ich meine Familie einpacken und wäre hier längst weg. Leider gestaltet sich so etwas ja immer schwieriger als man(n) anfangs denkt. Danke jedenfalls für den tollen Artikel, der einiges endlich mal auf den Punkt bringt. Macht weiter so 👍

  • Reply
    Ina
    Dezember 31, 2017 at 5:06 pm

    So toll geschrieben! So viel was ich kenne da wir auch anders leben und hier in Norwegen ist man noch schneller“anders“ ;-). Da ist man als Familienbettfamilie sowas von exotisch und dazu noch langzeitstillend , nicht unbedingt negativ betrachtet aber eben „anders“, jetzt schweife ich aber ab :-).
    Ich habe gleich mal euren newsletter abonniert, vielleicht habt ihr Lust auch auf unseren?

    LG aus Norwegen, welches ja eines der glücklichsten Länder der Erde, aber ich glaube das ist anders definiert das Wort Glück als das was du beschreibst!
    Ina

    http://www.mitkindimrucksack.de

  • Reply
    Tina
    Dezember 31, 2017 at 3:06 pm

    Das finde ich ja mal toll! Eine super Idee. Ich habe auch schon oft erlebt, dass Menschen ernst gemeinte Komplimente nicht annehmen können und sogar miesepetrig darauf reagieren 😳! Macht weiter so!

  • Reply
    Karolin
    Dezember 31, 2017 at 11:52 am

    Ein wirklich toller Blogpost. Ihr sprecht viele wichtige Dinge an, danke dafür! Alles Gute für 2018 wünsche ich euch💗

  • Reply
    Marco
    Dezember 29, 2017 at 12:11 am

    Ich hab bei dem Titel etwas anderes erwartet, aber war doch interessant zu lesen.

  • Reply
    Sabrina
    Dezember 26, 2017 at 4:10 pm

    Liebe Backpackbaby-Family, danke für den tollen Text. Wahnsinnig finde ich einfach, dass man für ehrliche nette Worte oft wiederum kritisiert und nicht ernst genommen wird. Wo solldenn das hinführen? Jedoch unbeirrlich weiter freundlich und froh sein und es wird hoffentlich ein langsamer und stetiger Wandel stattfinden. Danke Euch für Euren Mut und alles Gute! Sabrina

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