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Steckbrief: Taiwan mit Kind und schmalem Geldbeutel

Das Wichtigste in Taiwan mit Kind.

Das sollte man wissen:

Taipei ist als Hauptstadt um ein Vielfaches teurer als die kleineren Orte, aber hier ist es leichter, eine günstige Langzeitunterkunft zu finden.

Mit ein bisschen Englischkenntnissen und gutem Willen kommt man in Taipei prima zurande, außerhalb wird es ein wenig holpriger werden. Die Taiwanesen sind allerdings durch die Bank sehr freundlich und herzlich und bemühen sich sehr, dass die Kommunikation klappt. Im Zweifelsfalle wird ein „Übersetzer“ aus dem übernächsten Laden herbeizitiert.

Unterbringung:

Hotels und Hostels in Taiwan sind teuer, insbesondere wenn sie im Vorfeld online gebucht werden. Das Günstigste, was wir in Taipei finden konnten, war ein schlichtes Zimmer für 27 Euro die Nacht. Allerdings kann jeder, der bereit ist, etwas länger in Taipei zu bleiben, über die Facebookgruppe Taiwan/Taipei Apartment rentals schnell, unkompliziert und unbürokratisch ein kleines Zimmer anmieten. Besonders günstig wird es ab Mietzeiten um die vier Wochen, es gibt aber auch Kurzzeitangebote.

Verpflegung:

Auf Nacht- und Tagesmärkten gibt es ein vielfältiges Angebot an, na ja, eigentlich allem. Das Essen ist frisch, lecker und günstig. Es gibt außerdem All-you-can-eat-Buffets, bei denen nach Gewicht bezahlt wird. Oft gehören Wasser und Suppe mit zum Menü. Reis muss extra bestellt werden (fan), und kostet umgerechnet circa 50 Cent.

Kochen lohnt sich finanziell überhaupt nicht, das Gemüse ist allerdings so wunderbar frisch und teilweise so exotisch, dass wir dennoch in Versuchung gekommen sind.

Obst ist nicht gerade billig, aber wer sucht, der findet den Straßenobsthändler seines Vertrauens und kann sicher auch auf Dauer etwas gangbarere Preise aushandeln. Obstläden oder Supermärkte sind immer teurer.

Wer nicht ganz so auf den Cent achten muss, ist, vegan oder nicht, in Taipei im Gourmetparadies. Ich habe hier die besten Nudeln meines Lebens gegessen – der Pokal wurde meinem vermeintlichen Lieblingsgericht schon nach wenigen Tagen von einem anderen Nudelrestaurant wieder abgenommen. Es gibt Spezialrestaurants für Essen aus jedem Winkel des Erdballs, selbst die Foodcourts in den Einkaufszentren haben leckere Gerichte im Angebot. Wer Zeit, Lust und Hunger hat, kann sich hier von Little Japan bis zum Italiener schlemmen; rohvegan und hongkongnesisch genießen, literweise fantastischen Tee mit und ohne Bubbles trinken und frische Smoothies und Obstsäfte in rauen Mengen genießen – und naschen, naschen, naschen, was das Zeug (und der Magen) hält. Nicht nur für den eigenen Magen, sondern auch für Kinder ist es wunderbar, dass die taiwanesische Küche sehr mild gewürzt und gut verträglich ist. Knoblauch und Zwiebeln lassen sich leicht abbestellen, da die buddhistischen Mönche und Nonnen darauf verzichten.

Generell gilt: Essen ist in Taipei wie Pizza – selbst wenn es nicht so gut ist, ist es immer noch ziemlich gut.

Nahverkehr:

Gut, schnell, pünktlich, sehr günstig und so sauber, dass es fast unheimlich ist. Eine Fahrt durch ganz Taipei kostet mit der Youyongka (auf Englisch Easycard) für das Metrosystem ungefähr einen Euro. Die Karte rechnet beim Rein- und Rausgehen automatisch den günstigsten Tarif für die jeweilige Fahrt ab. Sie lässt sich unkompliziert an Automaten aufladen, die es in jeder Metro-Station gibt. Kaufen kann man die Youyongka in jedem 7/11.

Von Taipei nach Keelung kommt man mit dem local train für zwei bis drei Euro. Der Schnellzug ist um einiges teurer, trägt den Reiselustigen aber fix in etwas über zwei Stunden über die gesamte Insel. Dafür zahlt man ungefähr 50 Euro (für die Strecke Taipei-Kaohsiung).

Freizeit:

Die Freizeitgestaltung in Taipei hält viele Möglichkeiten bereit, und besonders mit kleinen Kindern wollen die Tage nicht randvoll gepackt sein. So sind vier entspannte Wochen in der Hauptstadt optimal und erlauben zwischendrin zahlreiche Spielplatz- und Parkbesuche. Da die Zugfahrten günstig sind, bieten sich auch Tagestouren über die kleine Insel an. Die Nordhälfte Taiwans kann entspannt aus Taipei erkundet werden.

Die meisten Sehenswürdigkeiten sind günstig bis kostenlos (viele Wandertouren, heiße Quellen, Nachtmärkte, Tempel), so dass auch die Familie mit schmalem Geldbeutel uneingeschränkt auf ihre Kosten kommt.

Taiwan mit Kind:

Taiwan, insbesondere Taipei, ist hervorragend für Reisen mit kleinen und großen Kindern geeignet. Es gibt überall Spielplätze, in den Restaurants werden sofort Kinderhochstühle und Plastikgeschirr gebracht, alle sind wahnsinnig freundlich und es gibt in Bus, Metro und Bahn immer garantierte Sitzplätze für Fahrgäste mit Kind (Priority seats).

Die Gesundheitsversorgung in und um Taipei entspricht westlichen Standards, die Krankenhäuser arbeiten auch über den asiatischen Raum hinaus auf Spitzenniveau. Sicherheit ist generell ein wichtiges Thema für Taiwanesen; die Bahnhöfe sind besonders kindersicher und auch die Spielplätze machen es einem ziemlich unmöglich, sich zu verletzten – dank abgedichteten Plastikklettergerüsten, extraweichem Boden und ständiger Betreuung von zahlreichen taiwanesischen Eltern.

Es gibt überall Kindertoiletten und Wickelräume. In den Familientoiletten gibt es sogar Sitze, auf denen die Kleinkinder für den elterlichen Toilettengang fixiert werden können. Eigentlich sind auch Stillräume vorgesehen, denn das Stillen in der Öffentlichkeit ist hier ein No-Go. Leider sind die Stillräume derzeit fast alle abgeschlossen – es wurde offenbar versucht, die stillenden Mütter in den Kabinen zu filmen. Theoretisch würde das Metropersonal die Stillräume jederzeit aufschließen. Aber wer möchte schon mit quengelndem Kind auf chinglisch erklären, dass das Kleine jetzt mal fix an die Brust muss?

Windeln findet man nicht, wie man vielleicht vermuten würde, in der Drogerie, sondern sehr teuer in Apotheken und etwas günstiger in den großen Supermärkten („PX-Mart“).

Besonders hellhäutige Kinder mit großen Augen werden hier regelrecht verehrt. Es macht Sinn, sich eine Notfallstrategie zurechtzulegen, wie man mit übergriffigen Taiwanesen umgeht, die es eigentlich nur nett meinen. Mit größeren Kindern könnte ein Codewort funktionieren. Es wird einem auch nicht übel genommen, wenn das Kind eben einfach „schüchtern“ ist. Kinder werden hier oft ungefragt angefasst und fotografiert. Unsere Tochter genießt die Aufmerksamkeit zum Glück und geht einfach weg, wenn es ihr zu viel wird.

Unser Budget für Taipei für eine dreiköpfige Familie mit Kleinkind:

Taiwan ist per se kein günstiges Reiseland, aber mit ein paar Tipps und Kniffen kommt man gut und günstig über die Insel.

Was wir ausgegeben haben:

Mit Mühe: 48 Euro/Tag (davon ca. 11 Euro/Tag für Miete)

Entspannt: 68 Euro/ Tag (davon ca. 11 Euro/Tag für Miete)

Wir essen häufig „von der Straße“ (allerdings vegan, das ist etwas günstiger), trinken zu Hause gefiltertes Wasser aus der Leitung, bewohnen zu dritt ein WG-Zimmer mit „Familienbett“, lassen es uns aber sonst an nichts mangeln. Diese kleinen Tricks ermöglichen es uns, hier gut und entspannt zu leben – und fühlen sich im Übrigen gar nicht wie Einschränkungen an.

Unsere WG besteht neben unserem Zimmer aus einem großem Wohnzimmer und einer Wohnküche, in der unsere Tochter sich frei bewegen (und beschäftigen!) kann und in denen wir regelmäßig auf unsere lieben Mitbewohner treffen, die uns mit interessanten Gesprächen mehr über Taiwan oder sich selbst erzählen und durchaus auch mal das Kind bespaßen.

Das Essen von der Straße ist ohne Frage frisch und schmeckt phänomenal. Durch die Sprachbarriere windet sich auch der nicht des Chinesischen Mächtige – es gibt an jeder Straßenecke jemanden, der gewillt ist zu übersetzen. Essen kaufen (mit und ohne Kleinkind im Gepäck) ist ein echter Icebreaker und auch mit Sonderwünschen gut möglich.

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1 Comment

  • Reply
    Christina
    Februar 23, 2017 at 5:32 pm

    Hach…Taiwan…! Ja, traumhaft und einfach ein großartiges Land. Wir haben dort ebenfalls wunderbare Begegnungen gehabt und die Kinderfreundlichkeit ist wirklich phänomenal. Als Ergänzung für Kinder ab etwa 3: alle Touristeninformationen halten die Kinderprogramme bereit und die Aktivitäten sind toll. An jeder Ubahn Station gibt es Stempel für Kinder und die öffentlichen Leihfahrräder an den Haltestellen sind kostenlos für 30 min und eine tolle Möglichkeit, die Stadt auch oberirdisch gut zu erkunden. Und die Insel Penghu ist unglaublich schön- sehr empfehlenswert, dort ein paar Tage zu verbringen ☺️ Da reisen wir sicher nochmal hin ?

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